Die meisten wissen es sicher nicht. Ich bin ein begeisterter Verfolger des ESC. Jedes Jahr gibt es einen Samstag (und mitlerweile nun auch Dienstag und Donnerstag), der fest verplant ist. Allerdings macht der ESC nur dann Spaß, wenn ich ihn mit dem wundervollen Kommentar von Sir Terry Wogan auf BBC anschauen kann, wie es mir Gott sei Dank möglich ist.
Bereits der vierte Beitrag gestern brachte dann doch ein paar betretene Mienen hier. Der erneute Versuch einer Kombo aus Deutschland entwickelte sich zu einem Desaster. Die Stimmen der vier Engel waren komplett falsch arrangiert und Sandy strahlte über die anderen hinaus. Außerdem hatte ich mehrmals den Eindruck, dass die Show für die Serben eventuell etwas zu groß war. Besonders die Auftritte unserer Mädels, des Briten und des Franzosen wurden auch durch die Kameraführung versaut.
Für den Briten war es eigentlich eine sehr große Enttäuschung. War er doch mit einem sehr eingägigen und popigen Stück nach Belgrad gereist um die Peinlichkeit des letzten Jahres wieder gut zu machen. Doch es reichte dann noch nur für den ebenfalls letzten Platz.
Das französische Stück fand ich sehr gut, war aber wohl für den gemeinen Eurovision-Zuschauer zu intelligent.
Meine Favouriten zeigten sich so leider nicht auf den oberen Plätzen gestern Abend. Und natürlich gab es auch wieder das bekannte zugeschachere der Punkte, aber es zeigte sich einmal mehr; um zu gewinnen bedarf es eines Punktezuspruchs aus fast allen Ländern. Und das gelang den Russen und Griechen.
Man benötigt wohl einfach den richtigen Riecher, was in diesem Jahr bei einem gesamteuropäischen Publikom ankommt. Dieses Jahr könnten es die süßen, kleinen Mädels gewesen sein, gerade im richtigen Alter um sich nicht strafbar zu machen. Oder der Russe, der seinen Song vom Top-Produzenten Timbaland erhielt.
Das ist das “Problem”, aber ein Problem, was bei allen Shows existiert, die im Anschluss auf das Zuschauervoting angewiesen sind. Da gewinnen nicht die Besten. Da gewinnen die, die den meisten Rückhalt aus dem Publikum bekommen. Und so ist es auch bei DSDS. Ohne Frage ist Godoj gut, doch muss ich schreiben, dass er leider gewonnen hat. Nun wird er versaut und hat auch schon sein Popsöngchen wie damals Medlock bekommen. Es muss massenkompatibel sein und somit ist dort kein Platz für Experimente.
Wir sollten also nicht traurig sein, dass unsere Lieblinge nicht gewonnen haben. Denn mit ihrer Musik werden Sie uns auf einem ESC-Sampler oder auf ihren Alben (die durch den Auftritt beim ESC bekannt geworden sind) erfreuen. Nur bei Godoj und Medlock ist es leider zu spät, die wurden bereits weichgespült. Schade, dass in unseren Charts, die von kaufkräftigen kleinen Mädels dominiert werden, kein Platz für außergewöhnlichen Rock oder Jazz ist…