Es ist so kalt hier
Nun ist es also passiert. Vor fast einer Woche, am Montag, platzte die Bombe. Dabe hätte man es eigentlich schon vermuten können, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Denn anders als sonst waren es nicht spezialisierte Blogs, die von Apples Wechselgedanken berichteten, sondern renomierte Nachrichtenseiten.
Und nun haben wir den Salat. Apple wechselt zu Intel. Doch ist das wirklich so schlimm? Friert die Hölle nun tatsächlich zu? Ein paar Gedanken dazu….
Worum geht es denn eigentlich überhaupt? Nun, Apple verbaut zur Zeit Prozessoren der Hersteller IBM und Freescale (Motorola) in den Macs. Im allgemeinen sind das PowerPC-Prozessoren, die mit PowerPC-Programmen arbeiten. Im Gegensatz dazu gibt es die große Familie der IBM-kompatiblen Prozessoren, die mit IBM-kompatiblen Programmen arbeiten.
Der Name kommt daher, weil IBM 1981 angefangen hat diese Art von Prozessoren im ersten PC einzusetzen. Diese Prozessoren werden im allgemeinen auch x86 genannt, aufgrund der alten Schreibweise für 286, 386, 486, etc. x86 und PowerPC sind untereinander nicht kompatibel und genau diese Tatsache machte den Apple bisher auch ein wenig exklusiv und besonders, da es möglich war auf dem Mac Software zu haben, die auf einem x86er unter keinen Umständen (außer mit langsamen Emulatoren) funktionieren konnte.
Und so kann man auch ein wenig die Schockstimmung verstehen, die in der Fan-Gemeinde derzeit herrscht. Allerdings ändert sich weniger, als man -meiner Meinung nach- denkt. Im Grunde ist es so, als ob ich den Motor in meinem Auto von einem Benziner in einen Diesel umtausche. Der Mechaniker muss neue Technik in der Motorsteuerung einbauen oder umbauen und ich muss anderen Sprit tanken. Im Falle von Apple gibt es sogar eine Komponente, die das Restbenzin im Tank in Diesel umwandelt, bevor es in den Motor kommt. Damit kann ich dann zwar nur noch maximal 100 km/h fahren, aber es funktioniert. Für den Nutzer ändert sich eigentlich gar nichts.
Und so auch diese Umstellung. Apple hat es sehr gut Vorbereitet. Das Betriebssystem wurde 5 Jahre lang parallel auf PowerPC und x86 Architektur entwickelt und eingesetzt. Die Entwicklungsumgebung Xcode zum Programmieren neuer Software erstellt relativ einfach die sogenannten Fat-Binaries (Programme, die passende Software für beide Architekturen in einer Datei vereinen) und für alle älteren Programme, die nicht mehr weiter entwickelt werden gibt es Rosetta, eine Emulation mit vernünftiger Geschwindigkeit.
Viele Mac-Fans beachten auch nicht die Tatsache, dass es bei dieser Umstellung nicht um die augenblicklichen Intel-Prozessoren geht. Insofern gibt Apple auch keine Lügen zu, wenn sie sonst immer sagten, ihre PowerMacs seien die schnellsten Desktop-Rechner der Welt. Zur Zeit mag das ohne Weiteres stimmen, aber was ist in Zukunft? Hier bietet Intel die besseren Pläne als es IBM macht und die Wechselgedanken werden verständlich. Gerade im Mobile-Prozessor-Markt liegt Intel mit dem Centrino mitlerweile vorne. Warum also seinen Kunden nicht einfach wirklich die besten Produkte anbieten, die es auf dem Markt gibt?
Und so muss man sich auch nicht den Prozessor-Markt jetzt, sondern den der nächsten 2-3 Jahre anschauen, in denen die Umstellung passieren soll. Hier bietet Intel die überzeugendere Roadmap und man kann sich auf Dual-Core-Prozessoren in den kommenden Macs freuen.
Aber auch weitere Vorteile wird es geben. Gerade für Switcher, also Nutzer, die über einen Wechsel von PC zu Mac nachdenken, ergibt sich ein gewaltiger Vorteil. Musste bisher ein kompletter PC inklusive Prozessor vollständig emuliert werden um zb. dringend benötigte Windows-Software auszuführen, so fällt in Zukunft die Emulation des Prozessors weg. Windows sollte dann in ähnlich guter Geschwindigkeit zu nutzen sein, wie es mit VMware unter Linux bereits heute funktioniert. Die Schwelle zu wechseln wird geringer.
Allerdings steht vor Apple auch eine umfangreiche Aufgabe. Die Rechner werden direkt und problemlos vergleichbar mit anderen PCs. Hier liegt es also bei Apple, Produkte zu entwickeln, die diesem Anspruch voll und ganz gerecht werden. Aber ich denke, dass die Jungs und Mädels aus Cupertino das ganz sicher schaffen werden…


